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Erfolgsfaktor Vielfalt: 100 Tage Präsident des Bundessprachenamtes

100 Tage im Amt: Seit dem 23. Mai 2018 ist Dietmar Zimmer Präsident des Bundessprachenamtes. (Quelle: BSprA/Simon Ruhnke) Lupe
100 Tage im Amt: Seit dem 23. Mai 2018 ist Dietmar Zimmer Präsident des Bundessprachenamtes. (Quelle: BSprA/Simon Ruhnke)

Im Gespräch mit Simon Ruhnke spricht Dietmar Zimmer über seine Eindrücke im neuen Amt, lobt die Arbeit der Beschäftigten und benennt Schwerpunkte und Herausforderungen für seine Amtszeit als Präsident des Bundessprachenamtes.

Das Bundessprachenamt in Hürth. (Quelle: BSprA/Simon Ruhnke) Lupe
"Das Bundessprachenamt in Hürth. (Quelle: BSprA/Simon Ruhnke)"

Frage:

Herr Zimmer, heute sind Sie genau 100 Tage im Amt: welche Eindrücke haben Sie bisher in Ihrer neuen Tätigkeit gewonnen?

Zimmer:

Die Beendigung meiner Beurlaubung als Beamter zur BwFuhrparkService GmbH im März des Jahres war so geplant und absehbar. Gleichwohl kam die Entscheidung, meine berufliche Tätigkeit als Präsident des Bundessprachenamtes fortzusetzen, für mich sehr spontan und kurzfristig. Ich muss offen eingestehen, dass ich zwar wusste, dass es das Bundessprachenamt gibt – mit den Aufgaben dieser Bundesoberbehörde hatte ich mich bis dahin allerdings nie wirklich eingehender befasst. Ich nehme einmal an, das wird bei den meisten Kolleginnen, Kollegen, Kameradinnen und Kameraden in der Bundeswehr – übrigens auch auf der Ebene mancher Entscheidungsträger – nicht viel anders sein.

Das ist sicher mit ein Grund dafür, dass ich jetzt, nach 100 Tagen im Amt, von der Aufgabenvielfalt, von der Bedeutung und der Qualität der Aufgabenwahrnehmung und von der hervorragenden Dienstleistung, die in diesem Amt Tag für Tag für die Bundeswehr, für das Personal der Bundesressorts und der Länderverwaltungen, für Bundestagsabgeordnete und deren Mitarbeiter aber auch für ausländische Soldaten und Zivilbedienstete erbracht wird, tief und auch sehr nachhaltig beeindruckt bin.

„Tief und nachhaltig beeindruckt“ – Als neuer Präsident hat Dietmar Zimmer das Bundessprachenamt intensiv kennengelernt. (Quelle: BSprA/Simon Ruhnke) Lupe
"„Tief und nachhaltig beeindruckt“ – Als neuer Präsident hat Dietmar Zimmer das Bundessprachenamt intensiv kennengelernt. (Quelle: BSprA/Simon Ruhnke)"

Frage:

Welche inhaltlichen Schwerpunkte wollen Sie als Präsident setzen? Und welche Herausforderungen sehen Sie für Ihre Behörde in naher Zukunft?

Zimmer:

Meine Vorgänger im Amt – aber selbstverständlich auch die Vizepräsidentin und Abteilungsleiter sowie alle Beschäftigten – haben das Bundessprachenamt über die Jahre zum „Zentralen Sprachendienstleister für die Bundeswehr und den öffentlichen Dienst“ entwickelt, der seinesgleichen sucht. Nicht von ungefähr darf ich regelmäßig ausländische Delegationen begrüßen, die vom Bundessprachenamt lernen wollen. Die prozessuale und operative Einflechtung unterschiedlichster Dienstleistungsanforderungen in ein hochkomplexes und effizientes Gesamtleistungssystem als Erfolgsfaktor erfordert es, dem System die benötigten personellen, finanziellen und infrastrukturellen Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen. Damit ist – neben der Weiterentwicklung des Gesamtleistungssystems und der Anpassung an neue Herausforderungen – auch bereits ein wesentlicher Aufgabenschwerpunkt für die Leitung des Bundessprachenamtes beschrieben.

Wirkungsverstärker für Auslandseinsätze: Fremdsprachliche Ausbildung und Unterstützung durch Sprachmittler. (Quelle: /Bundeswehr) Lupe
"Wirkungsverstärker für Auslandseinsätze: Fremdsprachliche Ausbildung und Unterstützung durch Sprachmittler. (Quelle: /Bundeswehr)"

Weitere aktuelle Herausforderungen ergeben sich in der Unterstützung der Auslandseinsätze der Bundeswehr. Der Abteilungsleiter Personal sagte anlässlich meiner Einführung, dass das Bundessprachenamt mit seiner Unterstützung der Auslandseinsätze durch fremdsprachliche Ausbildung in der Einsatzvorbereitung und die Entsendung von Sprachmittlern in die Einsatzländer „maßgeblich zu den Erfolgsfaktoren der Bundeswehreinsätze beiträgt“. Diese enge Zusammenarbeit mit den Streitkräften gilt es weiter zu entwickeln und im Ressort kenntlich zu machen. Vor dem Hintergrund der „Trendwende Ausbildung“ muss unser Ziel sein, die Bedeutung der Sprachausbildung für die Aufgabenerfüllung der Soldatinnen und Soldaten deutlich zu machen.

Es wird aber ebenso wichtig sein, Eingriffe in das System von außen argumentativ überzeugend abzuwehren, die – wenn auch nicht gewollt – faktisch Qualitätseinbußen in der Leistungserbringung zur Folge hätten. Dazu gehört es auch, das Amt mit seinen Aufgaben den Entscheidungsträgern in der Bundeswehr – wie eingangs angedeutet – näher zu bringen.

Große Freude über das Zeugnis. 
(Foto: © Ruhnke/BSprA) Lupe
"Große Freude über das Zeugnis.
(Foto: © Ruhnke/BSprA)"

Frage:

Herr Zimmer, Sie haben mit Naumburg bereits einen dezentralen Standort des Amtes besucht und lassen derzeit den Besuch von vielen der über 60 Standorten des Bundessprachenamtes bundesweit planen. Welche Signale wollen Sie bei diesen Besuchen senden?

Zimmer:

Die dezentrale Leistungserbringung – also die Leistungserbringung ganz nah am Kunden bzw. beim Bedarfsträger – ist ein wesentliches Qualitätselement unseres Gesamtleistungssystems. Dementsprechend sind ungefähr die Hälfte der Beschäftigten als Übersetzerinnen und Übersetzer unmittelbar beim Kunden und als Lehrkräfte an Ausbildungseinrichtungen der Teilstreitkräfte eingesetzt.

Es versteht sich von selber, dass diesem Element der Leistungserbringung die gleiche Aufmerksamkeit der Leitung des Hauses gebührt wie den in Hürth zentralisierten Aufgabenbereichen. Insoweit ist mir natürlich auch daran gelegen, alle Beschäftigten des Bundessprachenamtes kennenzulernen, einzubinden und dessen zu versichern, dass ihr Beitrag in der Leistungsbilanz des Amtes hoch geschätzt wird.

Frage:

Am 13. Oktober findet die Preisverleihung zum Kulturpreis Deutsche Sprache in Kassel statt. Das Bundessprachenamt wird für die – laut Jury – „vorbildliche Arbeit der Abteilung Sprachausbildung, Bereich Deutsch als Fremdsprache“ mit dem Institutionenpreis ausgezeichnet. Wie bewerten Sie diese Ehrung?

Zimmer:

Über diese Auszeichnung freue ich mich sehr, vor allem, weil sich in ihr die hervorragenden Leistungen in der Deutschausbildung für ausländische Lehrgangsteilnehmer – vom Kadetten bis zum Stabsoffizier – widerspiegeln. Allen voran Regierungsdirektor Hermann Roder und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Referat Deutsch als Fremdsprache haben sich diese Anerkennung durch ihr besonderes Engagement erarbeitet und wirklich verdient. Aber auch die vorzügliche Betreuung und Integration der ausländischen Lehrgangsteilnehmer durch unsere II. Inspektion ist ausdrücklich zu loben. Ihre umfassenden Betreuungsleistungen sorgen dafür, dass sich die ausländischen Gäste in Deutschland willkommen fühlen und die Bundesrepublik näher kennenlernen. Auch dies ist ein wesentlicher Faktor des Erfolgs der Ausbildung in Deutsch als Fremdsprache. Allen Beteiligten meinen herzlichen Glückwunsch!

Frage:

Herr Zimmer, mit Ihrem Wechsel ans Bundessprachenamt ist Hürth nun Ihre neue dienstliche Heimat. Als Kind der Eifel haben Sie es nicht weit, wie empfinden Sie die neue Umgebung?

Zimmer:

Das Amt ist in Hürth seit langem verwurzelt, mein Kontakt mit Bürgermeister Dirk Breuer ist intensiv und wir waren gerne Gäste beim vierzigsten Hürther Stadtgeburtstag: nächstes Jahr begehen wir ja das eigene Jubiläum „50 Jahre Bundessprachenamt“ – wir gehörten sozusagen schon zu Hürth bevor es die Stadtrechte erhielt. Vor allem aber sind wir hervorragend mit der Zivilgesellschaft verbunden. Die Offenheit der Hürtherinnen und Hürther ist einer der Gründe für den Erfolg unseres Patenschaftsprogramms für ausländische Lehrgangsteilnehmerinnen und Lehrgangsteilnehmer. Insgesamt profitieren wir in unserer Leistungserbringung davon, dass wir mit Hürth eine Zentrale haben, in der ganz wesentliche Stellschrauben unseres Gesamtleistungssystems effizient ineinandergreifen können. Der Kontakt zwischen Belegschaft sowie ausländischen und deutschen Lehrgangsteilnehmern macht das Bundessprachenamt zu einer Stätte internationaler Begegnungen und interkulturellen Austauschs.

Das Interview führte Simon Ruhnke.



Stand vom 03.09.18 | Text: Ruhnke/BSprA | Foto: Ruhnke/BSprA